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Thromboseprophylaxe mittels MTS überflüssig?

Dr. ...
Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin


Thromboseprophylaxe mittels MTS überflüssig?

Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTS) gehörten bis dato zu den etablierten physikalischen Maßnahmen der Thromboseprophylaxe. In den meisten Krankenhäusern ist es Usus, die MTS in verschiedenen Einheitsgrößen zu bestellen. Der Beinumfang eines neu stationär aufgenommenen Patienten wird gemessen oder per Augenmaß abgeschätzt und schließlich wird der Strumpf schleunigst zur prä-, intra- und postoperativen Thromboseprophylaxe angelegt. Aber erweisen sich diese Einheitsstrümpfe wirklich als sinnvolle Maßnahme zur Thromboseprophylaxe?

Der Oberschenkelumfang der meisten Patienten ist verhältnismäßig viel zu groß, so dass der Strumpf sich aufrollt und oberhalb des Kniegelenks zu Einschnürungen führt. Weiterhin gibt es derzeit keinen Beleg für eine signifikante Risikoreduktion durch diese einheitlichen MTS.

In einigen Krankenhäusern haben diese Umstände bereits zum Stillstand der Bestellungen geführt. Dort erhalten nur wenige Patienten nach Maßnehmen durch Spezialisten individuell angefertigte Thromboseprophylaxestrümpfe.

Ist das Anlegen der MTS zur Thromboseprophylaxe also grundsätzlich sinnvoll für eine Mehrzahl der Patienten oder doch eher ein schädliches Korsett? Was meinen Sie dazu?

Diskussion

4 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 13 Ärzte verfolgen diese Diskussion
Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin, Urologie

Ich habe mit vielen Patienten die gleiche Erfahrung gemacht, erst kürzlich hat eine ältere Patientin ihre MTS auf eigene Verantwortung ausgezogen, da ihre Oberschenkel so sehr eingeschnürt waren. Allerdings sehe ich das sehr ungern, denn die Thrombose-Prophylaxe ist von großer Wichtigkeit, da können die Patienten noch so sehr beteuern nie Krampfadern o.ä. gehabt zu haben.

Nichtsdestotrotz sollte man lieber zu MTS greifen als gar keine Prophylaxe anzubieten. Vor allem bettlägerige Patienten sind schließlich einem erhöhten Thromboserisiko ausgesetzt. Eine Alternative bieten MTS, die unterhalb der Knie enden und somit die Oberschenkel gar nicht erst abschnüren können.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Sehr interessante Fragestellung. Leider gibt es zu dieser Thematik nur eine begrenzte Datenlage. Mir ist hierzu nur eine Studie bekannt, publiziert 2009 von der CLOTS-Trials Collaboration, die den Nutzen von MTS zur routinemäßigen Thromboseprophylaxe an 2518 Patienten mit einem Schlaganfall untersuchte.

Alle Patienten wurden innerhalb einer Woche nach dem Ereignis stationär aufgenommen und waren immobil. Die etablierte, in den einzelnen teilnehmenden Kliniken routinemäßig eingesetzte Thromboseprophylaxe bestand aus Frühmobilisation, Hydratation und antiaggregatorischen und antikoagulatorischen Medikamenten und wurde nicht vorgeschrieben. Eine sonographische Untersuchung ergab tiefe Beinvenenthrombose bis zum 30. Tag nach Randomisierung bei 10,5% der Patienten ohne und bei 10% der Patienten mit MTS. Innerhalb dieser Studie konnte somit keine signifikante Risikoreduktion durch zusätzliche Anwendung von Thromboseprophylaxestrümpfen festgestellt werden. Dieser geringe Effekt wurde dann aufgewogen gegen die druckbedingten Hautschädigungen, die bei den Patienten auftraten: bei 5% der Patienten mit MTS und nur bei 1% ohne. Aber reicht eine einzige Studie für die Evidenz?

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin, Allgemeine Chirurgie + Visceralchirurgie

Ganz klare Antwort: Weg mit den Thrombosestrümpfen! Es gibt mittlerweile mehrere Studien, die belegen, dass MTS keinen weiteren Nutzen (in Kombination mit Thrombosephrophylaxemedikation) haben. Ich verstehe nicht, warum man weiterhin an diesen beengenden Teilen festhalten sollte.

Guter Link zum Thema: http://www.gefaesse.at/download/4_aktuell ... 1.pdf

Dr. ...Dr. ...
Öffentliches Gesundheitswesen, Sozialmedizin

Was ich diesbezüglich in letzter Zeit mitbekommen habe, geht die Tendenz tatsächlich dahin, dass die Thrombosestrümpfe zunehmend aus den Kliniken verbannt werden. Vor allem bei Schlaganfallpatienten sollen sie keine Vorteile erbracht haben.

Doch - wie schon vor mir erwähnt wurde - können Thrombosestrümpfe eine geeignete Erweiterung der medikamentösen Prävention sein. Hierbei sind natürlich die jeweiligen Umstände abzuwägen, die Immobilität des Patienten steht dabei im Vordergrund und die korrekte Anpassung der Strümpfe darf auch nicht vergessen werden!

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Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Notfallmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Allgemeine Chirurgie + Visceralchirurgie, Allgemeines,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
MTS, Klinik, Thrombose, Prophylaxe

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23