Hier einloggen:
Username oder E-Mail Adresse

 
Passwort

 

Nekrotisierende Fasciitis

Dr. ...
Dr. ...
Kardiologie, Pulmologie
Bewertung:


Nekrotisierende Fasciitis

Wir hatten gestern eine neue Patientin auf unserer Station . Die Aufnahmediagnose lautete Pneumonie. Sie hatte eine Leukozytose mit 27.000 und 230 CRP. Das passte schon zur Pneumonie und der Klinik sowie dem radiologischen Befund. Nun fiel noch eine Rötung und Induration in der rechten Schambeingegend auf. Das Bein war auch etwas geschwollen. Schmerzen gab die Patientin allerdings ubiquitär an.

Duplexbefund: kein Hinweis auf Thrombose
Weichteilsono: Infiltration ohne Abszedierung

Wir machten ein chirurgisches Konsil...wenige Stunden später lag die Patientin mit der oben angegebenen Diagnose auf dem Operationstisch. Das war quasi knapp. Der Verlauf ist auch noch nicht geklärt.

Komisch, dass die Patientin lokal gar keine großen Beschwerden angegeben hat. Hätten wir nicht beim Status den Befund erhoben, hätte sie davon nichts erzählt.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

Mich hat es gelehrt, auf solche Dinge mehr zu achten, auch wenn es selten vorkommt, kann man immer auf die Nase fallen mit zu schnellen Erklärungen für in diesem Fall eine Paraklinik.

MfG

Diskussion

6 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 81 Ärzte verfolgen diese Diskussion
0 von 5 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Nach einem chirurgischen Konsil auf dem Op-Tisch zu liegen - eine interessante Erfahrung!

Eine nekrotisierende Fasciitis wäre jedoch eine so schwerwiegende Erkrankung, dass die Patienten wohl allenfalls wegen ausgeprägter Schmerzsymptomatik verheimlichen hätte können.

Alleine die Lokalisation sollte ja für die gestellte Diagnose schon zu denken geben, ich hoffe jedenfalls einmal, sie wollen uns damit nicht "verarschen".

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

Lieber Kollege Irion,

der belehrend überhebliche, Allwissenheit suggerierende Tonfall Ihres obigen Beitrages ist aus meiner Sicht völlig daneben.

Ich habe als Urologe mittlerweile 9 mal eine Fournier'sche Gangrän in unterschiedlichster Ausprägung gesehn. Vom gering eingeschränkten Patienten mit lediglich initialem Skrotalödem bis zum Vollbild.

Mein 4. gesehener Fall war der erste für meinen damaligen Klinikchef. (Ich war zu diesem Zeitpunkt vom ländlichen Kreiskrankenhaus an eine Universitätsklinik gewechselt.)

Insofern halte ich den Beitrag der Kollegin Petersen für gar nicht so abwegig, weil das Krankheitsbild doch eher selten ist. In meinem Ärztehaus sind mehrere langjährig praktizierende Hausärzte, die es noch nie sahen.

Wer es, wie Sie und ich kennt, denkt sicher bei seinen differentialdiagnostischen Überlegungen eher daran, den anderen hat es Kollegin Petersen mal wieder aus dem Hinterkopf gekramt. Bei einer Mortalität von 50% sollten wir dafür dankbar sein.

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Sehr geehrter Herr Kollege,

hatte heute rein "zufällig" den Fall einer Fournier`schen Gangrän in der Praxis. War 5 Tage mit dieser Verdachtsdiagnose stationär in der urologischen Abteilung des hiesigen Krankenhauses. Nach dem Entlasssbrief, nach Antibiose mit Clindamycin, deutliche Befundbesserung....

Bei der Vorstellung in meiner Praxis, scharf begrenzte ödematöse Schwellung im Bereich des Penis und des Skrotums mit deutlischer vesikulöser epidermaler Beteiligung und einer Schwellung des Penis auf wenigstens das Doppelte des Normalen...

Laut des Arztbriefes stationäre Aufnahme mit der Verdachtsdiagnose "Fournier`sche Gangrän"....

Aus meiner dermatologischen Sicht, per Blickdiagnose:

Ausgeprägte allergische Kontaktdermatitis, Behandlung mit einem Steroidstoß mit initial 50 mg Prednisolon oral sowie fett-feuchten Umschlägen mit der Betagalen-Salbe und Chinosol-Lösung....

Daher in dem hier vorliegende Fall...

Welche Diagnose stellt sich diesbezüglich bei einer "Frau"?

Wieso wurde die Diagnose von einem Chirurgen gestellt und konnte nicht wenigstens internisterseits mit der enstprechenden Antibiose wenigstens anbehandelt werden.

Wieso wurde die Patienten nicht einem Dermatologen vorgestellt...?

Die vorgebliche Diagnosestellung durch einen Chirurgen wäre jedenfalls eine ausgesprochene diagnostische Armut für die internistischen Fachkollegen. Nichts gegen die Chirurgen mit Ihren handwerklichen Qualifikationen, aber wenn ich mir die Fälle so anschaue, wo diese operieren wollten und ich eine Lösung mit einer Steroidsalbenanwendung bieten konnte....

Daher mögen Sie mir bitte meine obige Wortwahl vergeben, jedoch erscheint mir "dieser" Fall doch in vielerlei Hinsicht ziemlich konstruiert.

Viele Grüße....

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

Sehr geehrter Kollege Irion,

Ihr geschilderter Fall zeigt doch letztlich nur, wie wenig das Krankheitsbild wirklich bekannt ist. Ich vermute, daß dieses "Verkennen" auch einen großen Teil der Sterblichkeit verursacht.

Ich habe es auch schon "umgekehrt" erlebt, daß ich zu einem auf der Dermatologie eingewiesenen Patienten konsiliarisch gerufen wurde, der schon vom Dermatologen und vom Chirurgen untersucht und ratlos "beäugt" wurde. Ich habe dann als Jungfacharzt (3 Wochen nach der Prüfung) die beiden Oberärzte verblüfft und die Op-Indikation gestellt. Das war mir aber auch nur möglich, weil ich das Krankheitsbild bereits gesehen hatte. Weder der chirurgische noch der dermatologische Oberarzt hatten es "frisch" gesehn, sondern immer erst nach der operativen Primärversorgung.

Gelernt haben übrigens alle drei Beteiligten aus der Geschichte: die Oberärzte, wie die Fournier'sche Gangrän im Anfangsstadium aussieht und ich viel über plastisch-rekonstruktive Wundversorgung. Diese "win-win-win-Situation" verbindet uns immer noch freundschaftlich-kollegial, weil keiner sich dem anderen überlegen fühlte, sondern man gemeinsam für den Patienten arbeitete und weiter arbeitet.

Konstruiert oder nicht ist mir völlig Wurst. Richtig erkennen ist entscheidend.

Und wenn dieses Forum dazu führt, daß sich der eine oder andere Kollege mit der Fournier'schen Gangrän befaßt, um sie in seinem differntialdiagnostischen Repertoire zu verwurzeln, dann hat es doch seinen Zweck erfüllt.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeine Chirurgie + Visceralchirurgie

Liebe Koll. Petersen,
Ihre Beschreibung ist geradezu typisch für die Fournier´sche Gangrän, besonders die frappierende Diskrepanz zwischen massiv erhöhten Entzündungsparametern, in fortgeschrittenen Situationen auch klinischen Zeichen der Sepsis, und dem vergleichsweise blande erscheinenden Lokalbefund und oftmals fehlender oder nur geringer Schmerzhaftigkeit. Es handelt sich hier um eine chirurgische Erkrankung, die sich als nekrotisierende Entzündung an den Muskelfaszien ausbreitet und immer sehr viel ausgedehnter ist, als der klinische Aspekt vermuten lässt. Insofern war das o.g. Vorgehen - chirurg. Konsil und sofortige OP genau richtig. Heilung ist nur möglich durch vollständige Exzision der infizierten und nekrotischen Weichteile, was manchmal zu riesigen Defekten führt. Ein Dermatologe kann dabei nicht helfen, eine konservative Behandlung ist nicht möglich und ist schlimmstenfalls für den Patienten fatal; auf die hohe Letalitätsrate wurde bereits hingewiesen.Ich habe in über zwanzigjähriger Tätigkeit als Chirurg nach meiner Erinnerung nur zwei dramatische Fälle einer F.G. behandelt, die Erkrankung ist wirklich selten. Sie werden auf Grund Ihrer Erfahrung zu denen gehören, die im Zweifelsfall an diese Differentialdiagnose denken. Das kann unter Umständen lebensrettend sein.
U. Sauer, Chirurg

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Ist ja schon gut, ich dachte der Fall wäre geklärt!

Herr Petersen schreibt jedenfalls nicht wie ein Internist mit Zusatzbezeichungen Pulmologie und Kardiologie, sondern allenfalls wie in Pjler, der uns einmal eben hier eine interessante Examensfrage zur Diskussion stellt!

Übrigends, wer hier regelmäßig mitliest, nicht zum ersten Mal, aber seis drum!

Dr. ...Dr. ...
Kardiologie, Pulmologie

Ich wollte nur eines klarstellen : ich bin kein Internist , sondern in der Weiterbildung - also Assistenzarzt. Ich wollte hier niemanden irreführen, die Abteilung in der ich arbeite ist eine Pneumologie, dann war ich auf die Kardiologie rotiert. Deshalb hab ich das dort notiert. - habe jetzt ausdrücklich Assistenzarzt in mein Profil geschrieben, hoffe es treten keine Mißverständnisse mehr diesbezüglich auf.
Den scharfen Ton finde ich allerdings etwas unangenehm. Aber - seis drum.
mfg

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Seien Sie getrost, für seinen scharfen Ton ist Herr Irion bekannt -das hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun!!

Er ist auch schon mehrfach darauf hingewiesen worden -keine Ahnung, ob es mal Früchte trägt...

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Chirurgie + Visceralchirurgie

Sehr geehrter Herr Kollege Irion
Dass Ihr Patient KEINE Fournier'sche Gangrän hatte, beweist der Verlauf: hätte er eine gehabt, wäre er bereits während seines 5-tägigen stationären Verlaufs septisch geworden - und Ihr Steroid-Stoss hätte ihm wohl den Rest gegeben ;-( ...
Wie Herr Kollege Sauer schreibt, ist im Frühstadium die Diskrepanz zwischen massiv erhöhten Entzündungsparametern und fehlenden subjektiven Lokalbeschwerden typisch dafür. Deswegen ist es essentiell, daran zu denken, wie das Frau Kollega Petersen vorbildlich getan hat.
Übrigens haben ja die Kollegen von der Chirurgie ihre Diagnose sicherlich histologisch und bakteriologisch verifiziert. Dass die betroffene Patientin eine Frau ist, ist zwar die Ausnahme (Geschlechterverhältnis 10 : 1), führt aber deswegen leider oft zu einer verspäteten Diagnosestellung, weil niemand daran denkt. Von den drei Fällen, die ich mitbetreut habe, ist die einzige Frau verstorben!
Frau Petersen ist dazu zu gratulieren, dass sie ihren Eintrittsstatus umfassend gemacht und daran gedacht hat: sie hat der Patientin damit wohl das Leben gerettet. Und Internist(in) zu sein, ist kein Makel - ebensowenig wie alle Dermatologen anderen unlautere Motive unterstellen ;-( ...
MfG

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Liebe Frau Petersen,

dann bedanke ich mich mal für Ihre Klarstellung, das erklärt die Situation auch dann für mich und Ihre Einbringung hier in diesem Forum erfordert auch meinen Respekt!

Sehr geehrter Herr Kollege Riedtmann,

die Frage ist doch wohl, die sich für mich immer noch nicht erklärt - und die urologischen Kollegen waren es, die "meinen" Patienten in "meinem" Klinikum in dem ich als dermatologischer Konsiliarius bin, mit dieser Verdachtsdiagnose 5tägig stationär "schmoren" ließen....- ohne sofortige Op.

Wie kommt man als Chirurg, mit der Vorgeschichte des Falles von Frau Petersen mal eben auf diese Diagnose....

Fakten: Sehr selten und auch noch wie von Ihnen geschildert im Geschlechterverhältnis 1 : 10...

Ohne jegliche Beobachtung, ohne sonographische Hinweise, MRT??? - Einfach einmal, quasi per Blickdiagnose eine Fournier`sche Gangrän erkannt....

Liebe Frau Petersen, wo arbeiten Sie denn eigentlich....???

In Ihrem Krankenhaus sind offensichtlich "derartig" geniale Chirurgen tätig, dass ich künftig - sei es der Weg auch noch so weit - meine Patienten in IHRE Klinik überweisen MUSS!!

Viele Grüße....

In 20 Sekunden Mitglied werden!

„esanum - Ihre Ärzteplattform im Internet


Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Falls sie einen DocCheck-Zugang besitzen, melden Sie sich hier an:

DocCheck



DocCheck-Passwort vergessen?
Bitte Klicken Sie hier!

Andere interessante Beiträge

neuer Beitragi.m.Spritzen?
Während der Prüfung zum Palliativmediziner durfte ich mich darüber aufklären lassen, daß e...
Beitrag bereits gelesenTodesfälle und Diabetes durch Gyrasehemmer
Zusammenfassung Die Gyrasehemmer zählen zu den wirksamsten und nebenwirkungsarmen Anti...
neuer BeitragThromboseprophylaxe mittels MTS überflüssig?
Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTS) gehörten bis dato zu den etablierten physik...
neuer BeitragWISSEN LIVE vom 07.02.2012: "Worauf kommt es bei einer effektiven Antikoagulation bei Vorhofflimmern an?"
Diskussionsrunde zur Online-Weiterbildung "Worauf kommt es bei einer effektiven Antikoagul...
neuer BeitragOP bald mit iPad?
Wenn man die heutige Medizin mit der Zeit noch vor ein paar Jahrzehnten vergleicht, hat di...
Kontakt | AGB | Datenschutz | ihre Fragen | Hilfe | Presse | Impressum
blog (de) | esanum.de | esanum.at | esanum.ch | esanum.es | esanum.it | esanum.fr | esanum-dent.de | esanum-dent.at | esanum-dent.ch
letzte Änderung: 18.11.2011 0:04