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Dosierung von Methylphenidat

Dr. ...
Dr. ...
FA für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Bewertung:


Dosierung von Methylphenidat

Über die Dosierung von Methylphenidat bei ADHS-Kindern gibt es unterschiedliche Meinungen:
a) Sollten in den Ferien keine Medikamente verordnet werden? Wenn ja, warum?
b) Höchstempfehlungen des Gesundheitsministeriums werden häufig überschritten. Gibt es neue Erkenntnisse?

Diskussion

5 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 116 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Hier stellt sich die Frage der sozialen Integration. Kann das Kind ohne Ritalin seine sozialen Kontakte nicht aufbauen oder halten (viele ADS-ler haben keine Freunde), sollte Ritalin meines achtens weitergegeben werden, hat das Kind keine Beschwerden, kann eine Pause verantwortet werden.

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Pathologie, Allgemeinmedizin, TCM

Bei uns werden die Erwachsenen ADHS-Patienten in der Regel mit 5 - 10 mg 3xpro Tag eingestellt oder erhalten ein Retardpräparat (z.B. Concerta) mit 36 mg, das ganze kann bei Bedarf bzw. Nutzen für den Pat.bis auf 75 mg/tag gesteigert werden. Bei den Kids würde ich bis max. 15 mg/tag gehen!!
Weiterhin sehe ich die Methylphenidatmedis als reine Bedarfsmedikation, die ich ein um den anderen Tag nehmen kann aber auch weg lassen kann ohne Nachwirkungen, da die Wirkdauer immer nur zwischen 3-4 Stunden liegt (bzw. Retard bei ca. 10-12Stunden) und danach schnell abflaut. Allerdings merken die Pats. häufig eine (vielleicht) eine psychische Abhängigkeit, weil sie durch das Medikament profitieren (z.B. Prüfungssituationen ruhiger und konzentrierter erleben, etc.)

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Generell bietet es sich an, die Sommerferien (eher nicht die kürzeren Ferien im Jahr) als Gelegenheit zu einer Medikationspause zu nutzen, dies u.a. um im Einklang zu bleiben mit auch nach meiner Erfahrung sehr sinnvollen Behandlungsleitlinien, die darauf hinweisen, dass ca. 1x/Jahr eine Medikationspause zwecks Überprüfung der weiteren Indikation durchgeführt werden sollte. Da Methylphenidat (selbst in Form der Retard-Präparate) nie rund um die Uhr wirkt, sondern immer nur einige Stunden am Tag (kurzwirksames MPH ca. 3-4 Stunden nach einmaliger Einnahme, die meisten in Deutschland zugelassenen Retard-Präparate 7-8 und eines ca. 10 h), ergibt sich bei mit MPH behandelten Kindern mit AD(H)S naturgemäß die Möglichkeit einer Kontrastbeobachtung im Sinne eines Vergleichs des Befindens und Verhaltens des Kindes zu Zeiten ohne Wirkung und zu Zeiten mit Wirkung - und dies an jedem Tag; so kann morgens vor der Einnahme noch keine Wirkung bestehen und - bei üblicher Dosisverteilung - in den Abendstunden keine Wirkung mehr. Bei Kindern, bei denen dieser Kontrast sehr deutlich ausfällt, ist aus meiner Sicht eine Medikationspause in den Ferien zwecks Wirksamkeitsüberprüfung z.T. entbehrlich. Bei einem Teil dieser Kinder wiederum wäre eine solche Medikationspause auch kontraindiziert, weil die zu erwartende Symptom- und Problemzunahme in den Ferien nicht wünschenswert bis nicht zumutbar wäre. Das Vorgehen ist also nach meiner Erfahrung im Einzelfall abzuwägen. Ein Grund für eine Medikationspause kann nach meiner Erfahrung zudem mal sein, dass man in Sorge geraten ist bzgl. des Gewichtsverlaufs des Kindes und ihm Gelegenheit geben möchte, durch Ausschaltung der Appetit-mindernden Wirkung von MPH in den Sommerferien zuzunehmen.

Nach meiner Erfahrung gibt es im Bereich der Behandlung von Kindern mit AD(H)S so gut wie keinen Fall, in dem man die in den Raum gestellte Tageshöchstdosis von 60 mg überschreiten müsste. Reicht eine solche Dosis (die ja in der Regel nicht einmal in vollem Umfang erforlich ist) nicht aus, kann dies bedeuten, dass es sich um einen Non-Responder auf MPH handelt (denn die Response-Rate soll ja bekanntermaßen nicht bei 100, sondern ca. 80 % liegen). Zudem muss an einem solchen Punkt unbedingt gründlich differentialdiagnostisch nachgedacht werden (z.B.: Besteht wirklich eine AD(H)S oder lassen sich die Probleme und Symptome des Kindes oder Jugendlichen anders erklären? Oder - nicht selten - bestehen komorbide Störungen?) Außerdem stellt sich natürlich die Frage der Compliance. Zudem gibt es bei manchen Präparaten Einnahme-Besonderheiten (z.B. das Erfordernis der Einnahme nach einer festen Mahlzeit).

Es handelt sich dabei um eine adaptive Medikation, die an den Tages- und Wochenablauf der Kinder und Jugendlichen mit seinen Anforderungen angepasst werden sollte, dann aber nicht bei Bedarf, sondern regelmäßig eingenommen werden sollte.

Eine Orientierung der Dosis an Alter, Größe und Gewicht funktioniert nur sehr bedingt (obwohl es durchaus Erfahrungsbereiche bzgl. der erforderlichen Dosen gibt). Die Dosis wird in einem sorgfältig zu begleitenden Behandlungsversuch innerhalb der gesicherten Dosierungsbereiche stufenweise auftitriert, um so die individuell wirksamste Dosis zu finden, aber auch nicht mehr von dem Medikament zu geben als nötig ist.

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin

bei erfahrenen Patienten und Eltern sollten diese in die Entscheidung miteinbezogen werden.

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Ich habe mit dem Einsatz von Medikinet bei Erwachsenen keine Erfahrung,habe jedoch von einem Betroffenen gehört,daß es hilft bei Konzentrationsmangel+hifreich ist
um strukturiertes+geordnetes Arbeiten durchzuführen.Es besteht jedoch Angst vor möglichen Nebenwirkungen in der Langzeit-Anwendung.Welche Erfahrungen gibt es+welche Kontrollen sind erforderlich?Reicht eine Bedarfsmedikation
oder ist eine Dauerther.erforderlich?

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Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Allgemeine Pharmakologie, Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
methylphenidat, adhs, ritalin

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04