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Antidepressiva wie Fluoxetin (= Prozac) wirkungslo...

Dr. ...
Dr. ...
FA für Anästhesiologie
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Antidepressiva wie Fluoxetin (= Prozac) wirkungslos?

Liebe Esanum- Mitglieder!

Wie Spiegel-Online berichtet wollen Forscher der Universität Hull, England, in einer Meta-Analyse herausgefunden haben, daß die vielgenutzten Antidepressiva Fluoxetin,Paroxetin, Venlafaxin und Nefazodon (seit 2003 in D vom Markt genommen) weit weniger wirksam bei der Behandlung von Depressionen sein mögen, als bisher angenommen.

Die Forscher analysierten dazu Daten aus 47 Klinikstudien. Ihr "Trick" dabei war, nicht nur auf in Fachjournalen veröffentlichte Studien zurückzugreifen, sondern auch unveröffentlichte Studien einzubeziehen. Gerade Studien ohne konkrete Wirkungsnachweise haben nämlich die Tendenz nicht veröffentlicht zu werden, was die Studien mit positiven Ergebnissen als falsch häufig erscheinen lässt.

Der Unterschied zwischen Patienten mit medikamentöser Therapie im Vergleich zu Placebo betrug gemittelt über alle Studien lediglich 1,8 Punkte auf der Hamilton Depressions-Skala. Lediglich die schwerstdepressiven Patienten erzielten über 3 Punkte Differenz, was die Autoren jedoch auch eher in einem Nachlassen der Wirkung von Placebos bei dieser Patientengruppe begründet sahen, als in einem echten Wirknachweis der Antidepressiva.

Zum eingehenderen Lektüre her der Spiegel-Artikel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch ... .html ,
und hier zur Studie: http://medicine.plosjournals.org/perlserv/ .

Was denken Sie über die Ergebnisse dieser Studie? Sind Sie von der Wirksamkeit der benannten Antidepressiva (aus eigenem klinischen Alltag?) überzeugt, oder stimmen Sie eher der Studie zu?

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr esanum-Team !

Abstimmungsergebnis

Was denken Sie über die Aussagen der Studie zur Wirksamkeit der Antidepressiva Fluoxetin, Venlafaxin und Paroxetin?

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Diskussion

11 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 202 Ärzte verfolgen diese Diskussion
4 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Bei schweren Depressionen sind die gängigen SSRI immer noch indiziert! Hat jemand in der Praxis die Erfahrung gemacht, daß diese Medikation nicht wirkt? Auf jeden Fall sollte man die medikamentöse Therapie mit Psychotherapie (hier hat sich die kognitive Verhaltenstherapie sehr bewährt) kombinieren. Auch ist der Einsatz von SSRI bei typ. Ess-Störungen weiter von großem Vorteil.

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie

Ich werde zur Zeit häufig in der Praxis mit der Frage nach der Wirksamkeit von SSRI konfrontiert. Die Untersuchung widerspricht völlig meinen bisherigen Erfahrungen. Es ist so schon schwierig bei bestehenden Vorbehalten bzgl. Psychopharmaka dem Pat. differenziert die Wirkweise verschiedener Medikament zu vermitteln. Für den Umgan mit dieser Metaanalyse habe ich noch keine gute Lösung.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Sehr geehrter Herr Kollege Brat,
sollte man nicht aus der Praxiserfahrung entscheiden?
Wenn ein SSRI einem Patienten hilft und er in seiner Therapie Fortschritte macht, ist das das Beste was ihm geschehen kann.

Ich denke, Studien sind unverzichtbar, jedoch sollte man in der Praxis souverän und individuell entscheiden.

Ich habe mir bisher eine kritische Beurteilung von Studien erhalten können, denn Sie wissen es ja auch, wie oft widersprechen sich da sogar Studien untereinander?

Ich möchte Ihnen Mut machen, auf Ihre sicher reiche Erfahrung zu bauen und die Patienten nach ihrem Ermessen und nicht nur nach Studienergebnissen zu behandeln.

Liebe Grüße Alpine

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

@Alpine: Die Erfahrung funktioniert aber nicht: einmal ist das eigene Gedächnis mehr als fehlbar - zum anderen weißt Du ja nicht, was ohne/mit einer anderen Behandlung passiert wäre.
Es ist schade, aber ANtidepressiva sind bei leichter/mittlerer MDD Waffen mit schwacher Wirkung und zahlreichen Nebenwirkungen.

MG

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Die zugrunde liegende Studie von Kirsch et al. wurde inzwischen - wie erwartet - sowohl wegen erheblichen Mängeln der Methodik als auch wegen der fragwürdigen Interpretation der Ergebnisse international in der Luft zerrissen.

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Zerrissen - ja, aber auch gelobt. Es gibt einen erheblichen Dissens! Einen solche Dissens gäbe es doch nicht, wenn die Wirkung so gut wäre...

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Ich habe wegen einer Depression vor 1 1/2 Jahren 20 mg Fluoxetin täglich genommen. Mir ging es bereits nach 2 Stunden besser, erstaunlich aber war. Jetzt im Frühjahr hat der zweite Absetzversuch geklappt.
Ich denke, man muss es jeweils ausprobieren, meine Erfahrungen mit Patienten sind zu 80% positiv.

2 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Antidepressiva sind vollkommen unverzichtbar (seit 15 Jahren Schwerpunkt).
Natürlich ist immer die therapeutische Interaktion essenziell, die Medikamente sind nur ein Teil.
Die Wirkung des Therapeuten ist die größte Wirkung, unter der sich der Segen des Antidepressivums ggf. Neuroleptikums erst richtig entfaltet.
Da die Therapeutenwirkung praktisch nicht messbar bist, vor allem beim Doppelblindversuch, fällt sie wissenschaftlich unter den Tisch.
Somit sind die ganzen Studien entsprechend wenig wert, gilt übrigens für die gesamte Medizin. Die heutige Evidenzklassi-fikation ist ein Chimäre, die vordringlich der Selbstbeweih-räucherung ihrer Protagonisten dient. Erfahrung sollte m. E. die höchste Evidenz haben.
Ein Kunstfehler ist es, neben der Arznei nicht das gesamte Leben des Patienten einzubeziehen, also psychosoziale Verbesserungen, wichtige Bezugspersonen und natürlich immer Psychotherapie, usw. usw.. Vor allem die Langzeitbetreuung gehört auch zu einer optimalen Interaktion.

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Ohne zu arbeiten wäre sicher fatal; wie so viele andere Substanzen werden sie in ihrer Effektivität aber sicher überschätzt. Maßgeblich sind Begleitung und Co-Medikation.

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie

Diese und ähnliche Studien wurden ja schon viel diskutiert. M. E. sollte bedacht werden, daß die jetzt gültigen Diagnosekriterien nach ICD 10 eben unspezifisch sind. Sie werden aber zugrundegelegt, um "homogene" Gruppen in Studien einzuschließen. Somit werden Antidepressiva nicht meht spezifisch mit Patienten getestet, die homogen Symptome des "Spektralbereiches" der endogenen Depression aufweisen, sondern an allen, die ausreichend unspezifisch "depressiv" sind. So werden eben keine "homogenen" Studiengruppen gebildet.
Das wäre so, als ob man spezifische Antibiotika an Gruppen testen würde, die über das Symptom "Fieber" gebildet wurden. Diese schließen dann Patienten ein, die gar keine Infektion haben.
In der Folge darf man sich dann nicht wundern, wenn man das Verum nicht mehr vom Plazebo unterscheiden kann, nochdazu, wenn Plazebos bei persönlichkeitsgebundenen Depressionen besser wirken als bei endogenen D..

Das Problem der "erfolgsorientierten" Wissenschaft mit Unterdrückung ungenehmer Ergebnisse verschleiert diese Verschleierung dann.

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Pathologie

Ich habe selbst vor 28 Jahren eine Dissertation zur Bioverfügbarkeit und Wirksamkeit eines Medikaments gemacht und weiß, wie man gewünschte Forschungsergebnisse erhält und wie unerwünschte Ergebnisse von der Pharmaindustrie unter den Tisch gekehrt werden. Zudem habe ich selbst mich von der weitgehenden Unwirksamkeit dieser extrem überschätzten Medikamentengruppe während meiner mehrjährigen Tätigkeit in der Psychiatrie überzeugt. Ich kann daher dem Artikel durchaus beipflichten. Ich habe auch mitverfolgt, wie ein zur antidepressiven Therapie entwickeltes Medikament wegen Unwirksamkeit vom Markt zu verschwinden drohte und nur wiederkehren konnte wie ein Phönix aus der Asche, indem man ein "neues Krankheitsbild" erfand und bis dahin als normale menschliche Reaktionen allgemein bekannte Zustände wie Befangenheit, Schüchternheit und Ängstlichkeit als "Soziale Phobie" deklarierte und als behandlungsbedürftig klassifizierte. Ich habe damals einen protestierenden Leserbrief gegen eine Kongreßveröffentlichung zu diesem Medikament (aus der angegebenen Substanzreihe) verfaßt und damit versucht, die absurde Umkehr deralten Weisheit: "Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt" aufzudecken. Im Kongreßbericht hieß es nämlich damals: "Wir haben ein neues Medikament. Nun können wir endlich die dazugehörige Krankheit definieren: Soziale Phobie."
Liebe Kollegen, lassen Sie sich nicht verdummen, manchmal hat sogar der Spiegel recht. Überzeugen Sie sich selbst von der Wirksamkeit der Medikamente, glauben Sie keinen Hochglanzprospekten, und machen Sie sich klar, daß auch die Schulmedizin voller Mythen und Placeboeffekten steckt und damit arbeitet.

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin, Allgemeine Psychiatrie

Hallo,
danke an Herrn Thumulla für die berechtigte Kritik an unseren so "modernen" Diagnosemanualen, wie die ICD 10.
Wo sind die neurotischen Depressionen repräsentiert?
50% fallen auf die Dysthymia, 30% auf die rez. depr. Störung(leichte und mittelgradige) und 20% auf die leichte und nur mittelgradige depressive Episode. Diese sind, wenn die Diagnose denn stimmt, psychotherapeutisch behandelbar.
Da hierfür jedoch kaum Ressourcen in Klinik und Praxis zzur Verfügung stehen und die Industrie massiv in die Frontallappen der Entscheidungsträger vorgedrungen ist- erhalten viele(zu) AD, die dann natürlich UNW machen und als nicht hilfreich geschildert werden. Aber mal zu Sache: Einem schwer depressiven Menschen helfen die AD! Das ist bei(fast) jedem in einem Experiment nachzuprüfen.
Mehmen Sie eine Substanz, die ihre Serotonin speicher entleert. Sie werden ganz schön depressiv. so, das sie sich nicht wiedererkennen und von anderen auch nicht so gekannt werden möchten.
dann greifen sie zu Escitalopram oder Venlafaxin, Nach 2 Wochen in adäquater Dosierung sind sie wieder die/der alte...

Pschopharmaka sind ein Segen- richtig angewandt- versteht sich von selbst! oder?

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Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



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Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Klinische Pharmakologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinrecht

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
antidepressiva, snri, ssri, prozac, fluoxetin, venlafaxin

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04